Früher …

26. Oktober 2015 § 2 Kommentare


Saison-Karte… war heute die Zukunft. Die ist allerdings düster. Ich bin zwar mittlerweile hauptberuflich Fotograf, war aber ursprünglich Schriftsetzer. Heute nennt man das Mediengestalter Print und Web. Ich habe diesen Job noch tatsächlich mit Bleisatz schon als Kind in der Volksschule in der Schuldruckerei gelernt. Später, nach der Bundeswehr, wurde es offiziell und ich schloss meine Lehre mit 1,5 als sogenannter Fotosetzer ab.

Die Älteren unter Euch und ich wissen: Schriftsetzer sind so schlimm wie Deutschlehrer, wenn nicht schlimmer. Aber wenn mein alter Meister diesen (aktuellen) Speise-Aushang gesehen hätte… Und leider sehe ich sowas immer öfter, auch auf Straßenschildern oder in seriösen Zeitschriften!

Viele Leute behaupten, dass man mit der Rechtschreibreform heute machen könne, was man wolle. Das ist übrigens beileibe nicht so, man hat nur mehr alternative Schreibweisen. Aber was diese Agentur hier abgeliefert hat, erinnert mich schwer an einen Betrieb, in welchem ich vor Jahren das Missvergnügen hatte zu arbeiten. Abgesehen davon, dass man hier ganz offensichtlich nicht selbst die Texte gelesen hat (siehe Datum), korrigiert man als seriöser Dienstleister automatisch auch Fehler, die der Kunde (mit Sicherheit in Unkenntnis) selbst vorgegeben hat. Abgesehen von den eigenen, die hier eingebaut wurden (z.B. fehlender Dezimaltabulator usw.). Gegebenenfalls schlägt man einfach mal schnell im Duden nach (gerade bei Fremdwörtern wie Crème oder Croûtons), das ist übrigens mit geringem Zeitaufwand ruckzuck online passiert. Jaja, Crème darf man auch ohne Accent grave schreiben, aber immer mit „e“ am Ende 😉

Und so endet billige Dienstleistung in schlechten Produkten. Aber es ist ja egal. Wie gesagt: Heute kann man ja eh‘ alles schreiben, wie man will 😉

Ich selbst habe jetzt nur die wirklich unstrittigen Sachen markiert, man klicke zur Vergrößerung auf die Vorschau. Witzig mutet natürlich das „Fangfrische Lachssteak“ an, anderes ist einfach nur peinlich, wie die falsche Jahreszahl. Übrigens: Auch in der Adressangabe, die ich herausgelöscht habe, ist dieses unsinnige „ß“ in der Großschreibung vorhanden. Um meine Klugscheißerei perfekt zu machen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass aus „ß“ in der Großschreibung auch heute noch ein „SS“ wird, denn das reguläre „ß“ ist eine sogenannte Ligatur aus den beiden Kleinbuchstaben „sz“ und war im Deutschen nie als eigenständige Versalie vorhanden. Das soll erst noch kommen. Deshalb wirkt der Buchstabe „ß“ auch zwischen den Großbuchstaben eines Wortes mit den aktuellen Standardschriften falsch proportioniert: STRAßE versus STRASSE. Aber das sieht man heute sogar im Fernsehen so. Von daher muss es ja ok sein …

Ich freue mich jetzt schon auf das Feedback.

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§ 2 Antworten auf Früher …

  • Tina sagt:

    Da kann ich dir nur seufzend zustimmen und ja, ich mache diese Korrekturen auch immer und auch ohne den expliziten Auftrag dazu. Manchmal schüttelt es mich einfach nur…

    • TASPP sagt:

      Der Auftrag ist ja eigentlich schon durch den Beruf an sich vorgegeben! Aber viele der heutigen Mediendienstleister sind ja nicht einmal gelernte Kräfte sondern kommen aus irgendwelchen anderen Handwerksberufen. Ich kenne da Friseure, Elektriker, Automechaniker etc.

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